Die Bilanz der WM – Rückblick auf das Turnier 2022

In der mittlerweile 92-jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft wurde wohl über kein anderes Turnier im Vorfeld so kontrovers diskutiert wie über die WM 2022 in Katar. Nach der 2010 erfolgten Vergabe der WM-Endrunde in den Wüstenstaat und der im Zuge dessen klimabedingt unausweichlichen Verlegung in den europäischen Sommer ging es lange Zeit durchaus nachvollziehbarerweise mehr um die Verletzung von Menschenrechten, Todesopfer auf Stadionbaustellen und mögliche Probleme für Fans vor Ort, aber nur am Rande um das Wesentliche: um Fußball.

WM Rückblick

Foto: diebilderwelt / Alamy Stock

Doch mit dem Eröffnungsspiel am 20. November rückte dann nach und nach doch der Sport in den Vordergrund. Und das war auch gut so. Denn das Turnier hatte einiges zu bieten. Das war die WM mit dem mutmaßlich besten, auf jeden Fall aber spektakulärsten Endspiel aller Zeiten. Dass FIFA-Präsident Gianni Infantino in seiner bilanzierenden WM Pressekonferenz von der besten Weltmeisterschaft aller Zeiten sprach, kam nicht überraschend, war aber kein völlig abwegiges Fazit. Die Bilanz der WM alleine auf das Geschehen auf dem Rasen bezogen fällt mit vielen hochklassigen Spielen, alten und neuen Stars sowie historischen Ereignissen auf jeden Fall positiv aus.

Der Weltmeister: Argentinien holt den dritten Titel

Nach 120 ebenso wechselhaften wie aufregenden Minuten sowie einem nervenaufreibendem Elfmeterschießen stand am 18. Dezember fest, dass der WM-Titel erstmals seit 2002 nicht an eine europäische Nation, sondern nach Südamerika geht. Zum dritten Mal nach 1978 und 1986 durfte Argentinien den Pokal in Empfang nehmen, womit in der ewigen Siegerliste nur noch Brasilien (5) sowie Deutschland und Italien (je 4) vor der Albiceleste liegen.

Die FIFA 22 Bilanz war dabei am Ende eindeutig: Argentinien hatte zwar mehrfach im Turnierverlauf auch das nötige Quäntchen Glück, war aber dennoch ein verdienter Weltmeister. Nicht zuletzt deshalb, weil zig-Tausende argentinische Fans keine Kosten und Mühen gescheut haben, um ihre Mannschaft vor Ort in Katar unterstützen zu können.

Die Leidenschaft übertrug sich von den Rängen auf den Rasen und trug ihren Teil dazu bei, dass die sicherlich nicht auf allen Positionen am besten besetzte Mannschaft den WM-Titel holte.

Die Stars der WM 2022: Lionel Messi überragt alle

Im WM Rückblick auf das Turnier 2022 steht natürlich Lionel Messi über allem, der seiner schon zuvor einzigartigen Karriere mit dem letzten noch fehlenden Titel in seiner Sammlung die Krone aufgesetzt hat. Und das nicht etwa als Mitläufer, sondern in fortgeschrittenem Fußballer-Alter von 35 Jahren als absoluter Leader, der im Turnierverlauf sieben Treffer selbst erzielte und drei weitere vorbereitete. Mit dem Einsatz im Finale avancierte Messi überdies zum alleinigen Rekordspieler mit nun 26 Einsätzen bei WM-Endrunden.

Messi freilich hatte von Torhüter Emiliano Martinez, über Abwehrchef Cristian Romero, den zum besten Nachwuchsspieler des Turniers gekürten Enzo Fernandez, seinen Wasserträger Rodrigo de Paul und seinen langjährigen Mitstreiter Angel di Maria bis zum neuen Torjäger Julian Alvarez eine Reihe von Mitspielern, die an der Seite des Superstars ins Rampenlicht gerückt sind.

Stars hatte aber nicht nur der Weltmeister zu bieten, sondern mit Frankreich auch der unterlegene Finalist, der die Titelverteidigung nur denkbar knapp verpasste. Im Trikot der Equipe Tricolore prägte vor allem Kylian Mbappe als Torschützenkönig mit acht Toren, drei davon im WM-Finale, das Turnier. Aber auch Antoine Griezmann in neuer Rolle im Mittelfeld und der beim Titelgewinn 2018 noch torlose Olivier Giroud mit vier Treffern drückten dem Turnier ihren Stempel auf.

Positive Überraschungen: Marokko und Kroatien lassen aufhorchen

In einer WM 2022 Zusammenfassung dürfen natürlich auch die positiven Überraschungen nicht unerwähnt bleiben. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang zuvorderst die Auswahl Marokkos, die als erste afrikanische Mannschaft ein WM-Halbfinale erreichte, auf dem Weg dorthin unter anderem Spanien und Portugal aus dem Turnier kegelte.

Ebenfalls nicht unbedingt wieder unter den letzten Vier zu erwarten war mit Kroatien der Vize-Weltmeister von 2018, der aber angeführt von Methusalem Luka Modric sogar die hochgewettete brasilianische Elf im Viertelfinale eliminieren konnte. Nicht zuletzt dank Elfmetertöter Dominik Livakovic und dem vielleicht besten Abwehrspieler des Turniers, Josko Gvardiol.

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Die WM-Enttäuschungen

Wo positive Überraschungen sind, gibt es natürlich auch enttäuschte Erwartungen. So platzte der brasilianische Traum vom sechsten WM-Titel abermals früher als zu erwarten war. Immerhin aber schaffte es die Selecao ins Viertelfinale, was mit Deutschland, Spanien und Belgien drei im Vorfeld zum Favoritenkreis gezählten Nationen nicht vergönnt war. Deutschland und Belgien mussten sogar ebenso wie ein auch stärker eingeschätztes Dänemark nach der Vorrunde nach Hause. Wie auch Mexiko, das es nicht zum achten Mal in Folge ins Achtelfinale schaffte.

Der ohne Punkt sang- und klanglos in der Vorrunde gescheiterte Gastgeber Katar war eine weitere Enttäuschung. Und in England, Portugal und den Niederlanden war man trotz des Erreichens der letzten Acht gleichfalls nicht zufrieden. Will man im FIFA Jahresrückblick Spieler als besonders enttäuschend nennen, kommt man nicht an Cristiano Ronaldo vorbei, der im Laufe des Turniers sogar seinen Stammplatz im portugiesischen Team verloren hat.

Deutschland bei der WM 2022

Im Jahresrückblick FIFA wird die deutsche Nationalmannschaft allenfalls am Rande eine Rolle spielen. Denn wie schon bei der WM 2018 in Russland scheiterte auch Deutschland WM 2022 in der Vorrunde.

Im Auftaktspiel gegen Japan ging die DFB-Elf zwar durch einen Elfmeter von Ilkay Gündogan in Führung, verlor Mitte der zweiten Halbzeit aber zunächst die Kontrolle und dann das Spiel mit 1:2. Im zweiten Match lieferte sich Deutschland ein hochklassiges Duell mit Spanien, das 1:1 endete. Am Ende war dann aber ein mühsamer 4:2-Sieg über Costa Rica zu wenig, da das punktgleiche Spanien gegen die Mittelamerikaner mit 7:0 siegte und so mit der besseren Tordifferenz hinter Gruppensieger Japan ins Achtelfinale einzog.

Die WM 2022 und die Fans

In Deutschland war das Interesse an der WM 2022 zum einen aufgrund der vielen Diskussionen im Vorfeld, zum anderen aber sicher auch wegen der enttäuschenden Leistungen der DFB-Elf so gering wie bei keinem großen Turnier zuvor. Die beste Einschaltquote WM lag in Deutschland sogar hinter dem Endspiel der Frauen-Europameisterschaft im Sommer zuvor. Die meistgesehene Partie war dabei das letzte deutsche Gruppenspiel gegen Costa Rica am 1. Dezember, als knapp 17,46 Millionen der ARD einen Marktanteil von 53,1 Prozent bescherten. Im Endspiel waren es laut der ARD während des Elfmeterschießens in der Spitze 19,38 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, in der vorherigen Regelspielzeit und bei der WM Abschlussfeier im Mittel indes nur 13,86 Millionen.

In den meisten anderen Ländern fiel die Bilanz der WM weitaus positiver aus. Selbst im Katar-kritischen Europa konnten viele Länder bessere Zuschauerzahlen Fußball als bei den vorherigen Turnieren vermelden.

Der Zuschauerschnitt WM lag am Ende bei 53.185. Offiziell vermeldete die FIFA in ihrer WM Bilanz eine Auslastung von 96,3 Prozent, wozu freilich nur bedingt passte, dass bei nicht wenigen Partien zahlreiche Sitze leer geblieben sind. Ebenso warf es kein gutes Bild insbesondere auf den Gastgeber, dass bei Spielen der katarischen Mannschaft viele Zuschauer das Stadion sehr frühzeitig verlassen haben.

Dafür aber sorgten die südamerikanischen Nationen, angeführt von Brasilien und Argentinien sowie die nordafrikanischen Länder Marokko und Tunesien ebenso für beste Stimmung in den Stadien wie Katars Saudi-Arabien.

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FAQ zur WM 2022

Wer hat das WM Finale gewonnen?

Argentinien! Die Albiceleste gewann gegen Frankreich im Elfmeterschießen. Nach 90 Minuten stand es 2:2 und nach Verlängerung 3:3.

Wo fand das Endspiel der WM 2022 statt?

Das WM Endspiel 2022 wurde im Lusail Iconic Stadium in der gleichnamigen Planstadt im Norden von Doha ausgetragen. Offiziell wurden 88.966 Zuschauer Zeuge des Duells zwischen Argentinien und Frankreich.

Wer wurde Torschützenkönig der WM 2022?

Kylian Mbappe. Der Franzose erzielte inklusive dreier Finaltore insgesamt acht Treffer. Dahinter folgte Lionel Messi mit sieben Toren.

Wer war der beste Spieler der WM 2022?

Lionel Messi wurde von der FIFA offiziell mit dem Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Wer wurde zum besten Torhüter der WM gewählt?

Argentiniens Schlussmann Emiliano Martinez wurde nach dem Finale von der FIFA mit dem goldenen Handschuh als bester Torwart geehrt.