Bundesliga-Klubs mit mehr Verbindlichkeiten als Eigenkapital

Die Corona-Pandemie hat den jahrelangen Boom der Bundesliga ausgebremst. Über Monate hinweg leere Stadien und ein während der Krise neu verhandelter TV-Vertrag, der erstmals leicht rückläufige Erträge mit sich brachte, hat nicht wenige deutsche Fußballvereine vor große Probleme gestellt.

Bundesliga Schulden

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Freilich war es nur für einen Teil der betroffenen Klubs neu, rote Zahlen zu schreiben. Bereits weit vor Corona war es keine Seltenheit, dass Vereine mit hohen Verbindlichkeiten zu kämpfen hatten. Meist lag derlei Schulden Bundesliga eine Misswirtschaft zugrunde, die in ein negatives Ungleichgewicht zwischen Aufwand und sportlichem Erfolg, der oft mit dem wirtschaftlichen Ertrag korreliert, mündete. Vereinfacht ausgedrückt: so mancher ambitionierte Klub hat sich beim Versuch, hohe Ziele zu erreichen, schlichtweg übernommen. Eine mehrere Jahre hintereinander verpasste Qualifikation für die Champions League oder ein unerwarteter Abstieg sind nur zwei mögliche Ereignisse, die in wirtschaftlicher Hinsicht gravierende Einschnitte bedeuten können.

Schulden Bundesliga: Kein Verein ohne Verbindlichkeiten

In der Wirtschaft ist es Usus, dass Unternehmen Fremdkapital nutzen, um die damit eine noch höhere Gesamtrendite zu erzielen. Der sogenannte Leverage-Effekt freilich lässt sich nicht ohne weiteres auf den Sport allgemein und den Fußball im Besonderen übertragen. Dafür gibt es im Fußball schlichtweg zu viele nicht kalkulierbare und teils auch auf Glück basierende Variablen, die über sportlichen und damit indirekt auch wirtschaftlichen Erfolg entscheiden.

Und dennoch gibt es in der Bundesliga keinen einzigen Verein, der auf den Einsatz von Fremdkapital verzichtet. Aus dem DFL Wirtschaftsreport geht hervor, dass am Geschäftsjahresende 2021 alle 18 Erstligisten Verbindlichkeiten in unterschiedlicher Größenordnung aufwiesen. Der größte Unterschied freilich war dabei nicht die Höhe der Verbindlichkeiten an sich, sondern deren Relation zum Eigenkapital.

So muss die Frage „Hat der FC Bayern Schulden?“ mit Blick auf die Kennzahlen mit einem klaren Ja beantwortet werden. Schließlich standen zum Stichtag 30. Juni 2021 Verbindlichkeiten von knapp 109 Millionen Euro in der Bilanz. Weil der FC Bayern auf der anderen Seite aber auch ein Eigenkapital von 491 Millionen Euro vorweisen konnte, wäre es dennoch völlig verfehlt, den deutschen Rekordmeister als verschuldet zu bezeichnen. Auch deshalb, weil es sich bei den Verbindlichkeiten des FC Bayern zu großen Teilen um noch nicht komplett bezahlte Ablösen für verpflichtete Spieler handelt, die auf der anderen Seite mit ihren Marktwerten in der Bilanz stehen.

Der FC Bayern ist aber natürlich nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich der deutsche und sogar europäische Vorzeigeverein schlechthin. Bei anderen Klubs zeichnet der DFL Report bei weitem kein so rosiges Bild.

Nur acht Bundesligisten mit mehr Eigenkapital als Verbindlichkeiten

Schuldenfreie Fußballvereine gibt es in der Bundesliga wie erwähnt nicht. Allerdings doch einige Klubs, die mehr Eigenkapital als Verbindlichkeiten aufweisen, wobei das Verhältnis von Verein zu Verein unterschiedlich ausfällt. Konkret befindet sich mit acht Klubs aber weniger als die Hälfte der Bundesliga in dieser Kategorie.

Borussia Dortmund als zweitgrößter Verein Deutschlands verzeichnete am 30. Juni 2021 ein Eigenkapital von knapp 233 Millionen Euro, allerdings auch 210 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Ähnlich ist die Lage bei Bayer Leverkusen, während der SC Freiburg, der 1. FSV Mainz 05 und der FC Augsburg als eher kleine Vereine relativ gesehen noch bessere Ergebnisse aufweisen.

Gesondert zu betrachten ist Hertha BSC, haben beim Jahresabschluss 2021 des Hauptstadtklubs doch die Investitionen von Lars Windhorst und der Tennor Holding doch noch einen sehr positiven Effekt auf das Eigenkapital. Tatsächlich steht es um die Finanzen der Berliner, die in den vergangenen Jahren auf viel zu großem Fuß unterwegs waren und die von Windhorst eingebrachten 375 Millionen Euro zu großen Teilen verbrannt haben, alles andere als gut. Und seit 2021 haben sich das Eigenkapital sicherlich weiter verringert und die Verbindlichkeiten erhöht.

Bei der TSG 1899 Hoffenheim haben die Einlagen von Mäzen Dietmar Hopp, der der Spielbetriebs-GmbH vor allem in den Anfangsjahren mehrere hundert Millionen Euro unter anderem für den Bau eines neuen Stadions zur Verfügung gestellt hat, großen Anteil am ausgesprochen positiven Ergebnis.

Schulden Bundesliga

Die Bundesliga-Klubs mit mehr Eigenkapital als Verbindlichkeiten

Verein Eigenkapital Verbindlichkeiten
FC Bayern München 491,1 Mio. Euro 108,5 Mio. Euro
TSG 1899 Hoffenheim 248,2 Mio. Euro 23,4 Mio. Euro
Borussia Dortmund 233,6 Mio. Euro 210,5 Mio. Euro
Bayer Leverkusen 200,5 Mio. Euro 172,5 Mio. Euro
Hertha BSC 107,6 Mio. Euro 99,6 Mio. Euro
SC Freiburg 93 Mio. Euro 24,8 Mio. Euro
FC Augsburg 58,4 Mio. Euro 34,5 Mio. Euro
1. FSV Mainz 05 37,2 Mio. Euro 17,9 Mio. Euro

Zehn Klubs mit mehr Verbindlichkeiten als Eigenkapital

Die offiziellen Finanzkennzahlen der DFL für die Bundesligisten der Saison 2022/23, die wiederum auf den vorhergehenden Geschäftsjahren 2020/21 oder 2021 beruhen, zeigen derweil gleich zehn mehr oder weniger stark verschuldete Fußballvereine, bei denen die Verbindlichkeiten nicht in Gänze und teilweise gar nicht von Eigenkapital aufgewogen werden.

Mit dem FC Schalke 04 und Werder Bremen, die der Abstieg 2021 jede Menge Substanz gekostet hat, sowie dem 1. FC Union Berlin und dem VfL Bochum wiesen sogar vier Klubs neben Verbindlichkeiten im zwei- und dreistelligen Millionenbereich auch noch ein negatives Eigenkapital auf. Insbesondere die Schalke Schulden sind bedenklich und machen deutlich, warum die Verantwortlichen den Gürtel um einiges enger geschnallt haben. Die Schalke Verbindlichkeiten von rund 183,5 Millionen Euro werden noch auf Jahre hinaus enorme Einschränkungen mit sich bringen und müssen Schritt für Schritt abgebaut werden. Ein erneuter Abstieg wäre freilich fatal und gleichbedeutend mit einem großen Rückschritt.

Ähnliches gilt für den 1. FC Köln und den VfB Stuttgart, die in jüngerer Vergangenheit auch in der 2. Bundesliga waren und die aufgrund deshalb geringerer Medienerlöse noch mehr unter den Geisterspielen der Corona-Pandemie gelitten haben. Bei Union Berlin wird derweil deutlich, dass dem sportlichen Erfolg einige Anstrengungen finanzieller Natur vorausgegangen sind, die auch nach vier Jahren in der Bundesliga nicht zu übersehen sind.

Als Sonderfall einstufen kann man unterdessen den VfL Wolfsburg, der mit der Volkswagen AG einen Mutterkonzern hinter sich weiß und der deshalb trotz der vergleichsweise schlechten Zahlen nicht in existenzielle Nöte kommen wird. Wie auch RB Leipzig nicht, obwohl die Roten Bullen mit 292,3 Millionen Euro in absoluten Zahlen die höchsten Verbindlichkeiten aller Bundesligisten haben. Aber eben auch den Red-Bull-Konzern an der Seite, der nicht nur Verluste kompensiert, sondern auch hohe Investitionen ermöglicht.

Dagegen droht Traditionsvereinen wie Schalke, Stuttgart, Köln oder auch dem VfL Bochum sehr wohl latent die Gefahr, bei andauernder Misswirtschaft eines Tages zahlungsunfähig zu werden. Letztlich gilt selbiges auch für Eintracht Frankfurt und für Borussia Mönchengladbach, die beide aber dank der erfolgreichen letzten Jahre noch ein höheres Eigenkapitalpolster besitzen als die zuvor genannten Klubs.

Die Bundesliga-Klubs mit mehr Verbindlichkeiten als Eigenkapital

Verein Eigenkapital Verbindlichkeiten
FC Schalke 04 – 88,8 Mio. Euro 183,5 Mio. Euro
1. FC Union Berlin – 29,1 Mio. Euro 72,0 Mio. Euro
Werder Bremen – 20,3 Mio. Euro 79,3 Mio. Euro
VfL Bochum – 4,9 Mio. Euro 25,9 Mio. Euro
1. FC Köln 1,5 Mio. Euro 70,9 Mio. Euro
VfB Stuttgart 22,2 Mio. Euro 92,3 Mio. Euro
VfL Wolfsburg 31,0 Mio. Euro 170,9 Mio. Euro
Eintracht Frankfurt 42,3 Mio. Euro 94,8 Mio. Euro
Borussia Mönchengladbach 71,8 Mio. Euro 109,2 Mio. Euro
RB Leipzig 131,7 Mio. Euro 292,3 Mio. Euro

Unterschiedlicher Umgang mit negativen Ergebnissen und Verbindlichkeiten

Wie schon angerissen, haben rote Zahlen in Form eines negativen Jahresabschlusses nicht bei jedem Verein die gleichen Folgen. Bei Bayer Leverkusen und beim VfL Wolfsburg übernehmen mit der Bayer AG und der Volkswagen AG die Mutterkonzerne etwaige Verluste, sodass auf dem Transfermarkt durchaus etwas mehr ins Risiko gegangen werden kann. Funktioniert ein millionenschwerer Transfer nicht, sind die Folgen in Leverkusen und Wolfsburg sowie auch bei RB Leipzig als Teil des Red-Bull-Konzerns weitaus weniger schwerwiegend als bei Vereinen ohne entsprechenden Background.

Ein Verein wie der 1. FC Köln etwa hatte jahrelang daran zu knabbern, dass nach dem Bundesliga-Abstieg 2018 Geschäftsführer Armin Veh eine Reihe von überdurchschnittlichen Zweitliga-Profis mit gut dotierten Vierjahresverträgen ausstattete. Zwar hatten Rafael Czichos, Dominick Drexler oder Lasse Sobiech mehr oder weniger großen Anteil am direkten Wiederaufstieg, waren zurück in der Erstklassigkeit dann aber wahlweise teure Mitläufer oder schlichtweg Reservisten, die Kapital banden. Obwohl der 1. FC Köln diese Spieler weiterbezahlen musste und teilweise später vor Vertragsende nur gegen Zahlung einer Abfindung von der Gehaltsliste streichen konnte, waren für den zwei Mal nur knapp geschafften Klassenerhalt auch Verstärkungen nötig. Warum die Geißböcke im Bundesligavereine Schulden Ranking weit vorne stehen, bedarf daher keinen weiteren Erklärungen mehr.

Raus aus den Schulden: Mehrere Wege führen zum Ziel

Die Bundesliga Schulden Tabelle 2023 bereitet gerade im Hinblick auf renommierte Traditionsvereine wie den FC Schalke 04, den 1. FC Köln, den VfB Stuttgart und Werder Bremen Sorgen. Aber die BVB Schulden machen auch deutlich, dass selbst Großklubs bei längerfristiger Misswirtschaft in die Bredouille geraten könnten. Sollte beim BVB sportlicher Erfolg in Form von Champions-League-Einnahmen ausbleiben, wären Einschnitte durch Verkäufe von Leistungsträgern und/oder vielversprechenden Talenten unvermeidlich.

Meist verschuldete Vereine suchen derweil eine Ausweg aus der Misere, wobei es die eine Musterlösung nicht gibt. Dass man etwa Mainz schuldenfrei nennen darf, ist ein Mix aus verschiedenen Faktoren, die vereinzelt, erst Recht aber in Kombination zum Erfolg führen können. Auf die drei wichtigsten Punkte gehen wir nachfolgend genauer ein. Bewusst ausgeklammert haben wir dabei die von schlingernden Klubs gerne genutzte Möglichkeit, durch einen externen Geldgeber wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

Sportlicher Erfolg: am schnellsten und einfachsten können Schulden über sportlichen Erfolg abgebaut werden, sofern man dafür nicht in Vorleistung gegangen und (zu) teure Transfers getätigt hat. Wenn es gelingt, mit guter Arbeit ein optimales oder zumindest sehr gutes Ergebnis herauszuholen, das sich in erster Linie anhand des Tabellenplatzes ablesen lässt, steigen automatisch die Erlöse. Zum einen ziehen erfolgreiche Teams mehr Zuschauer an und zum anderen – im modernen Fußball weit wichtiger – bringen bessere Platzierungen mehr Anteil am pro Saison milliardenschwer gefüllten TV-Topf. Sofern sogar die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb gelingt, sprudeln die Einnahmen richtig. Am meisten natürlich in der Champions League, aber Traditionsvereine mit meist vollen Stadien können auch in der Europa League und der 2021 neu eingeführten Conference League gut verdienen.

Champions League Modus 2024

Sparpolitik: Wenn Schulden Deutsche Bundesliga Vereine erdrücken, bleibt wie aktuell beim FC Schalke 04 keine andere Möglichkeit, als zu radikalen Sparmaßnahmen zu greifen. Teure Spieler mussten insbesondere nach dem Bundesliga-Abstieg 2021 mit aller Macht von der Gehaltsliste, zur Not auch auf Leihbasis. Gleichzeitig wurden neue Spieler mit leistungsbezogenen Verträgen ausgestattet. Diese Vorgehensweise behielt S04 auch nach dem Wiederaufstieg bei und verzichtete auch nicht darauf, eine Absicherung für den erneuten Abstiegsfall einzubauen. Sollte Schalke wieder in die 2. Bundesliga müssen, bleiben die Gehälter nicht gleich, sondern werden um rund die Hälfte gekürzt. Auf diese Weise erfolgt eine automatische Anpassung des Gehaltsniveaus an die geringeren TV-, Vermarktungs- und Sponsoringeinnahmen.

Eigene Jugend & Spielerverkäufe: Ein Baustein erfolgreicher Vereine mit eigentlich geringen Mitteln ist die Aus- und Weiterbildung von Spielern, die teuer verkauft werden, um im Gegenzug wieder in vielversprechendes Personal mit Entwicklungspotential zu investieren. Borussia Mönchengladbach ist ab dem Jahr 2010 herum mit dieser Politik vom Abstiegskandidaten zum regelmäßigen Europapokalteilnehmer avanciert. Ideal ist es natürlich, wenn junge Spieler nicht erst eingekauft werden müssen, sondern direkt aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen und in den Profikader integriert werden können.

FAQ rund um die Schulden Fußballclubs

Welcher Bundesligist hat die höchsten Schulden?

Die in den offiziellen Zahlen der DFL höchsten Verbindlichkeiten hatte im Geschäftsjahr 2020/21 RB Leipzig mit 292,3 Millionen Euro. Ein positives Eigenkapital von 131,7 Millionen Euro und der Red-Bull-Konzern im Rücken lassen die Verantwortlichen aber dennoch ruhig schlafen. Weitaus angespannter ist die Lage beim FC Schalke 04, der Ende 2021 bei Verbindlichkeiten von 183,5 Millionen Euro auch ein negatives Eigenkapital in Höhe von 88,8 Millionen Euro aufwies. Damit ist die Lage auf Schalke wohl am kritischsten.

Ist der FC Bayern schuldenfrei?

Streng genommen nein. Wie alle anderen Bundesligisten weist auch die FC Bayern Schuldenuhr Verbindlichkeiten auf, die zum Stichtag 30. Juni 2021 sogar bei knapp 109 Millionen Euro lagen. Allerdings werden diese durch ein positives Eigenkapital von über 490 Millionen Euro mehr als aufgewogen.

Hat Borussia Dortmund Schulden?

Borussia Dortmund wies zum 30. Juni 2021 Verbindlichkeiten in Höhe von 210,5 Millionen Euro auf, denen allerdings ein positives Eigenkapital von 232,6 Millionen Euro gegenüberstand. Trotz auf den ersten Blick hoher Schulden, kann man den BVB dank der vorhandenen Werte als gesunden Verein bezeichnen.

Wieviele Schulden hat der Schalke 04?

Um den FC Schalke steht es finanziell wahrlich nicht zum Besten. Am 31. Dezember 2021 wiesen die Königsblauen Verbindlichkeiten in Höhe von 183,5 Millionen Euro und ein negatives Eigenkapital von 88,8 Millionen Euro auf. Immerhin aber wurde mit einschneidenden Maßnahmen in der Folge der Kostenapparat deutlich gesenkt.