Tipico prüft potentielle Käufer

Nachdem in den vergangenen Monaten viel von Zusammenschlüssen und Übernahmen im Sportwettensektor off- und online berichtet wurde, könnte sich die nächste Fusion ankündigen, denn der deutsche Sportwettenanbieter Tipico soll Berichten zufolge Ausschau nach einem potenziellen Käufer halten.

Das Jahr 2015 war im Sportwetten- und Casinobereich bis jetzt geprägt von einvernehmlichen Zusammenschlüssen großer Unternehmen wie Ladbrokes und Gala Coral oder Paddy Power und Betfair oder Übernahmen wie die von bwin.party durch GVC Holdings. Eine vorsichtige Andeutung könnte nun die nächste Fusion ankündigen, denn die Unternehmer hinter dem deutschen Sportwettenanbieter mit Sitz in Malta sollen JP Morgan und Rothschild damit beauftragt haben, Optionen für einen möglichen Verkauf zu prüfen.

Wunschkandidaten Amaya, 888 oder William Hill

Das konstante Wachstum des Unternehmens soll vor allem attraktiv für Firmen wie Amaya Inc., 888 Holdings oder William Hill sein, die im Laufe des letzten Jahres immer wieder in Gesprächen vor allem im Zusammenhang mit bwin.party waren, jedoch nach wie vor keine Fusion oder Übernahme eingegangen sind. Der Wert von Tipico wird im Vergleich mit der Konkurrenz aus Großbritannien zwischen 1 Milliarde und 1,5 Milliarden Euro bemessen.

Der Sponsor von Bayern München ist das größte private Sportwettenunternehmen auf dem deutschen Markt mit einem geschätzten Nettoumsatz von 500 Millionen Euro oder 2,5 Milliarden in Wetten pro Jahr und damit beinahe die Hälfte des nationalen Marktes. Trotz der theoretisch sehr guten Ausgangslage besteht nach wie vor das Problem mit der unklaren Regulierung von Sportwetten und Casino auf dem deutschen Markt, die ebenfalls der EU-Kommission ein Dorn im Auge sind und potenzielle Käufer abschrecken oder zumindest den Kaufpreis verringern könnten.

Rechtliche Situation in Deutschland kann Kaufwert verringern

Tipico operiert zurzeit in einer Grauzone hinsichtlich der rechtlichen Situation, da der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag samt des Konzessionsverfahrens auf Eis liegt und nur die Lizenzen des Bundeslandes Schleswig-Holsteins eine offizielle Genehmigung für legales Glücksspiel bedeuten. Tipico besitzt eine dieser Lizenzen, darf jedoch theoretisch nur in Schleswig Holstein operieren und wird sich im zukünftigen Kaufprozess mit Steuerfragen, Lizenzen, Werbung und mehr auseinandersetzen müssen, um sich nicht am Ende unter Wert zu verkaufen.

Anmerkung der Redaktion

Dies ist DIE Gelegenheit für Tipico zu verkaufen. Es ist ähnlich wie mit Interwetten, die vor etlichen Jahren mitten im Boom ein dreistelliges Millionenangebot hatten und ablehnten. Der Hype flacht ab, man kann das Momentum nicht lange oben halten und schon holt einen die Realität ein.

Es ist nicht nur die rechtliche Situation bei den Lizenzen, die hier Tipico schon kann und wird. Ihre Cash-Cow, das Filialgeschäft wird ebenfalls zunehmend angegriffen. Nicht nur, dass sie weiterhin nicht bei den Top20 für eine Lizenz waren…nein, sie bekommen von immer mehr Gemeinen auch noch eine mehr als schmerzhafte Wettbüro-Steuer aufgedrückt, die noch einmal die Marge schmälert. Ich bin mir sicher, dass dies bei einem Verkauf an Unternehmen außerhalb der Branche oder außerhalb Deutschland im Moment nicht einmal richtig auffallen würde, doch langfristig lassen sich diese Abgaben nicht runterspielen.

Wie so viele hat Tipico Probleme damit ihre Erfolgsstory zu reproduzieren. Sie sind in weiteren Ländern tätig und sie haben sich einige Lizenzen geholt, aber nirgendwo sind sie in der Lage einen relevanten Marktanteil zu gewinnen. Hier fehlt jemand an der Konzernspitze, der versteht, dass jedes Land seine Eigenarten hat. Ein Beispiel: ein Wettbüro, das einem Cafe gleicht ist in Deutschland immer beliebt, mit tollen Sesseln, vielen großen Bildschirmen usw. In England wird über die Deutschen nur der Kopf geschüttelt wie man denn Fußball in einem Wettbüro verfolgen könne und so überrascht es nicht, dass es in englischen Wettbüros sehr oft nur Stehtische gibt. Eine Strategie zur Internationalisierung ist bisher nicht erkennbar und das hat schon ein Ladbrokes viel gekostet. Vor dem gleichen Problem steht beispielsweise auch William Hill, aber dies ist ein anderes Th

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