bwin.party entscheidet sich für GVC

Ist das nun wirklich die endgültige Entscheidung? Nach einem langen und zähen Verhandlungs- und Übernahmekampf um bwin.party hat der angeschlagene Sportwettenanbieter zusammen mit GVC in einem Statement mitgeteilt, dass GVC Holdings den Bieterkampf gewonnen hat und damit die eigentliche Zustimmung an 888 Holdings vom Tisch ist. Der Kaufpreis wird mit einer Summe von 1,1 Milliarden britischer Pfund angegeben.

Mehr als vier Monate lang befand sich der Sportwetten- und Casinoanbieter bwin.party im Kreuzfeuer zwischen den beiden Unternehmen 888 Holdings und GVC Holdings, die bwin sprichwörtlich zu jedem Preis übernehmen wollten. Obwohl GVC deutlich mehr als 888 bot, anfangs noch unterstützt von Amaya Gaming, hieß es noch vor wenigen Wochen, dass man sich mit 888 auf eine Übernahme geeinigt hätte aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Firmen und der damit verbundenen zukünftigen Pläne. GVC blieb jedoch unerschütterlich in seinem Vorhaben und erhöhte noch einmal sein Angebot, das nun auch sehr zum Missfallen von 888 Beachtung bei bwin fand und schließlich zum neuen Deal zwischen dem österreichischen Buchmacher und dem höheren Geldgeber führte.

GVC zahlt 1,5 Milliarden Euro für bwin.party

Der Übernahmepreis beträgt 1,1 Milliarden britischer Pfund, also etwas mehr als 1,5 Milliarden Euro, woran Cerberus Capital Management, eine private Investmentfirma, einen Anteil von ca. 400 Millionen hat. Pro bwin-Aktie wird GVC 25 Pence in bar zahlen und insgesamt 130 Pence pro Aktie. Nach der Fertigstellung gehören den bwin-Aktionären zwei Drittel der zusammengeführten Gruppe in einem Reverse Takeover besitzen, also einem Börsenmantel für GVC.

Bwin selbst bezeichnete den Vorgang zwar als langwierig, aber auch notwendig, um zu einer Einigung zu kommen. So habe Philip Yea, Vorsitzender von bwin, zusammen mit Vorstand nach dem neuen Angebot von 888 vor einigen Tagen diskrete Gespräche mit den Aktionären geführt, die zum Gleichstand an Stimmen zwischen den beiden konkurrierenden Unternehmen führte. Den Ausschlag gaben schließlich die bei Aktionäre Henderson Global Investors und Androsch Privatstiftung, die zusammen über 9 Prozent von bwin-Aktion besitzen und sich für GVC aussprachen.

Plattformwechsel für bwin abgewendet

Geplant ist nun, dass GVC seine Kunden auf die Plattform von bwin auslagert und die Software-Entwicklung von bwin sichert. Gerade hinsichtlich der Kundenmigration war bwin eher zurückhaltend 888 Holdings gegenüber, die die Kunden von bwin nach der Übernahme auf der eigenen Software-Plattform unterbringen wollten und Skepsis von bwin nach sich zog. Der Grund lag in dem bereits schiefgelaufenen Plattformwechsel zwischen bwin und PartyGaming, ein Risiko, das in Zukunft vermieden werden sollte.

Nach Angaben von Kenny Alexander, dem Geschäftsführer von GVC, war man zuversichtlich, bwin für sich einnehmen zu können, selbst wenn GVC den Weg der feindlichen Übernahme hätte gehen müssen, wovon gerüchteweise die Rede war, doch bestand nie wirklich Gefahr aufgrund des fast 13 Prozent höheren Gebots als das von 888 Holdings.

Kosteneinsparungen von 125 Millionen Euro bis Ende 2017 geplant

GVC hat außerdem die Vergütungspolitik geändert, durch die er und die anderen Direktoren zusammen über 47 Millionen Pfund erhalten hätten, und sie jetzt wie die anderen Aktionäre ausgerichtet sind mit einem Gehalt und Zielvorgaben für die nächsten Jahre. Das komplette Statement mit Konditionen ist übrigens auf der Homepage von GVC einzusehen, das näher auf die Einzelheiten des Deals eingeht.

Es wird mit einer Kosteneinsparung von mindestens 125 Millionen Euro bis Ende 2017 gerechnet, wozu auch Personalabbau gehört. Noch müssen weitere Aktionäre der Übernahme zustimmen, die mit einer drei Viertel Mehrheit gesichert ist, doch wird bereits im letzten Quartal von 2015 oder im ersten Quartal von 2015 mit einer abgeschlossenen Übernahme gerechnet.

Wie geht es bei 888 weiter?

Mit dieser Übernahme ist es der dritte – ob gewollte oder ungewollte – Zusammenschluss von Gaming-Unternehmen in diesem Jahr. Nachdem Ladbrokes und Gala Coral bereits eine Fusion angekündigt hatten, folgten darauf die beiden britischen Unternehmen Paddy Power und Betfair. Wie 888 Holdings auf diese neuen Entwicklungen reagieren wird und ob ein weiterer Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen angestrebt wird, wird sich im Laufe der Zeit herausstellen.

Wenn es um Sportwetten geht, ist 888 nicht unbedingt die erste Anlaufstelle im Wettbereich, wozu eine Software-Plattform von Kambi Solutions kommt, die kaum unter die Rubrik State-of-the-art fällt. Mit den bereits durchgeführten Fusionen wird das Feld von potenziellen Gaming-Unternehmen auf gleicher Augenhöhe jedenfalls immer kleiner und die spannende Frage bleibt vorerst bestehen, ob und mit wem 888 in Zukunft fusionieren wird.

Wer ist betroffen?

Es gibt noch mehr Fragen und diese betreffen eher das bestehende Portfolio von GVC. Es wurde zuletzt eh eher ruhig um Sportingbet und die Frage nach dieser Übernahme ist wie nützlich die Marke überhaupt ist, da man das sehr lohnenswerte Australiengeschäft eh William Hill überließ. In Großbritannien ist Sportingbet nach früher Bekanntheit auch eher untergetaucht und in Deutschland glänzen sie durch starke Bonusangebot und einen guten Service, aber sehr große Werbeaktionen waren nicht zu vernehmen. Werden auch sie migriert in die bwin Plattform?

War Playtech involviert?

Ok, das ist nun meine persönliche Spekulation, aber man darf nicht vergessen, dass GVC sich unter anderem den Herdgefond zur Hilfe holte, der auch bei Coral.co.uk involviert war bzw. ist. Das bedeutet in der Realität auch ein Einbeziehen von Playtech ob auf direktem oder indirektem Wege. Sicher ist, dass Playtech deutlich mehr Sorge hat vor einem sehr großen Unternehmen 888 als vor GVC, da die Israelis schon oft gezeigt haben wie fähig und aggressiv sie sind und dass sie vor allem den Playtech Stil beherrschen. Nun hat man diese Gefahr abgewendet. Wie gesagt, reine Spekulation!

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